Select Page

Regulatorische versus marktgetriebene Standards: Vor- und Nachteile im Open Finance im Vergleich

In Teil 1 unserer kleinen Serie haben wir die Notwendigkeit von Standards insbesondere in der Finanzwelt und hier im Hinblick auf Schnittstellentechnologie besprochen und die beiden verbreitetsten Konzepte für ihre Entstehung, den regulatorischen und den marktgetriebenen Ansatz, vorgestellt. In unserem 2. Teil wird es nun um die handfesten Vor- und Nachteile der beiden Wege zur Etablierung von Standards gehen und was wir aus diesem Vergleich ableiten.

Zweiter Teil: Regulatorik versus marktgetrieben – die Pros & Contras

Regulatorische Standards: Stabilität und Verbraucherschutz

Was spricht für regulatorische Standards im Bereich Open Finance? Ein entscheidender Vorteil besteht in ihrer Fähigkeit, Stabilität und Vertrauen im Finanzsektor zu schaffen. Durch klare Richtlinien und Vorgaben können regulatorische Standards dazu beitragen, die Integrität des Finanzsystems zu wahren und Verbraucher, die von Open-Banking-Anwendungen wie beispielsweise Multibanking in höchstem Maße profitieren, vor möglichen Risiken zu schützen. Im EU-Raum hat die PSD2 etwa den Weg für eine verbesserte Sicherheit und Transparenz bei Zahlungsabwicklungen geebnet. Denn die Öffnung des Zahlungsverkehrs für Drittanbieter und die damit einhergehende Bereitstellung von Zugriff auf Kontodaten sind mit Sicherheitsrisiken wie Datenlecks oder Missbrauch von Kundendaten, um nur einige zu nennen, behaftet. Mit der PSD2 wurden wichtige Schritte zur Verbesserung der Sicherheit in die Wege geleitet wie etwa die Einführung der starken Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentication, SCA). Regulatorische Standards können auch den Wettbewerb fördern, indem sie den Marktzugang für neue Akteure erleichtern und so die Innovation vorantreiben.

Marktgetriebene Standards: Flexibilität und Innovation bei der Implementierung neuer Technologien

Marktgetriebene Standards zeichnen sich durch ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an die sich schnell verändernden Marktanforderungen aus. In einem Umfeld ohne strenge regulatorische Vorgaben können Unternehmen agiler auf technologische Entwicklungen für Open Finance reagieren und innovative Lösungen schneller einführen. Dies fördert ebenfalls den Wettbewerb und ermöglicht es, dass Standards organisch entstehen, basierend auf den Bedürfnissen und Anforderungen der Marktteilnehmer, also der Banken, der Drittanbieter und der Endkunden.

Beispiel Schweiz: Die Herausforderungen marktgetriebener Standards

In der Schweiz beispielsweise fehlt es derzeit an spezifischen regulatorischen Vorgaben für Open Finance, was einerseits Raum für Innovation lässt, andererseits jedoch einige Herausforderungen mit sich bringt. Ohne klare Vorgaben können Interoperabilitätsprobleme und Sicherheitsrisiken auftreten, da jedes Finanzunternehmen seine eigenen Standards implementieren kann. Zudem könnte es schwierig sein, einen einheitlichen Ansatz für den Schutz von Verbraucherdaten zu gewährleisten. Diese Unsicherheiten könnten potenziell das Vertrauen der Verbraucher in Open Finance beeinträchtigen. Da die Schweizer Banken darüber hinaus das Tempo bei der Umsetzung selbst bestimmen und die Gruppe der Late Adopters das Feld der Fast Mover zahlenmäßig um ein Vielfaches übersteigt, besteht die Gefahr, dass die Schweiz im internationalen Vergleich zurückfällt. Das hat dazu geführt, dass der Bundesrat sich Ende 2022 mit den Entwicklungen von Open Finance in der Schweiz befasst hat. Er hat das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) beauftragt, ihm bis Juni 2024 Maßnahmen zu unterbreiten für den Fall, dass sich die Finanzbranche nicht ausreichend für die Öffnung ihrer Schnittstellen engagiert. Hier sehen wir einen klaren Nachteil des marktgetriebenen Ansatzes.

Definition von Standards in unregulierten Märkten

Das Fehlen gesetzgeberischer Initiativen bedeutet dennoch nicht, dass ein Markt sich nicht aktiv um die Definition und Einführung von Standards bemüht. Als Beispiel sei einmal mehr auf die Schweiz verwiesen: Hier haben sich mehrere Initiativen gebildet, die sich die Standardisierung der unterschiedlichen Aspekte der finanziellen Prozesse auf die Fahnen geschrieben haben. Getrieben sind diese Initiativen (noch) nicht von gesetzgeberischer Seite, sondern von den Marktteilnehmern selbst, oftmals den Banken.

So hat beispielsweise die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) Richtlinien für den Zahlungsverkehr und die Interbankenkommunikation entwickelt, um die Effizienz und Sicherheit im Finanzsektor zu verbessern. Zudem hat die SIX Group, die den nationalen Finanzplatz betreibt, verschiedene Standards für den Zahlungsverkehr und die Abwicklung von Finanztransaktionen eingeführt. Die Einführung von ISO 20022 als Standard für den Datenaustausch im Zahlungsverkehr und damit die Grundlage von Open Finance ist ein bedeutender Schritt, der die Interoperabilität zwischen verschiedenen Finanzinstituten fördert und zugleich dazu beiträgt, die Integration in internationale Finanzmärkte zu erleichter
Der SFTI (Swiss Fintech Innovations), ein Verband, hinter dem vor allem Schweizer Banken und Versicherer stehen, wurde im April 2016 gegründet. Er wiederum hat sich zum Ziel gesetzt, die Schweiz als Finanzplatz und Bildungsstandort zu stärken, indem er Finanzdienstleister, Wissenschaft und FinTechs miteinander vernetzt und die gemeinsame Bearbeitung konkreter Themen und Aufgaben unterstützt. Die Ausarbeitung von API-Standardisierungsempfehlungen ist ein wichtiger Teil seines Aufgabenportfolios.

Bei all diesen Beispielen wird die Crux eines nicht regulierten Marktes deutlich: All dieser Initiativen und Bemühungen zum Trotz existiert noch immer keine zentrale Instanz, die im Rahmen einer von allen Beteiligten getragenen Governance die Regeln für die Erarbeitung und das Release Management von Standards vorgibt. Dies hat dazu geführt, dass sich über die Jahre eben verschiedene Initiativen die Standardisierung von APIs für Open Banking und Open Finance auf ihre Fahne geschrieben haben. Da viele Köche allerdings den sprichwörtlichen Brei verderben, ist die weitere Entwicklung nicht verwunderlich: Infolge eines unvermeidlichen Konzentrationsprozess hat die Common API-Initiative des SFTI zwischenzeitlich mit Abstand die größte Teilnehmerzahl und die höchste Reichweite. Das liegt nicht zuletzt auch an der vertieften Zusammenarbeit mit der SIX, die als Gemeinschaftswerk der Schweizer Banken nicht nur ein Gründungsmitglied des SFTI ist, sondern mit bLink auch die bislang einzige Schweizer Open Banking-Plattform realisiert hat.

Initiativen in regulierten Märkten

Aber auch in regulierten Märkten lassen sich Zusammenschlüsse und Initiativen beobachten, die sich – unter anderem – der Standardisierung von Schnittstellen für Open Banking verschrieben haben. Im durch die PSD2 regulierten EU-Raum sei hier die Berlin Group als Beispiel genannt.

Die 2004 gegründete Organisation besteht neben der Deutschen Kreditwirtschaft aus über 20 weiteren wichtigen Akteuren aus dem Bereich des kartengestützten Zahlungsverkehrs aus mehr als 15 verschiedenen Ländern in und außerhalb der Euro-Zone. Sie konzentriert sich auf die Standardisierung von Schnittstellen im Bereich des Zahlungsverkehrs. Ihr Hauptziel besteht darin, einheitliche und interoperable Standards für den europäischen Zahlungsverkehr zu entwickeln. Durch die Schaffung gemeinsamer Normen erleichtert die Berlin Group den reibungslosen Austausch von Zahlungsdaten zwischen verschiedenen Akteuren im Finanzsektor und trägt so zur Harmonisierung des Zahlungsverkehrs in Europa bei.

Abschließende Betrachtung

Fraglos sind Standards im Bereich der Finanzdienstleistungen, insbesondere im aufstrebenden Gebiet von Open Finance, von entscheidender Bedeutung. Die Notwendigkeit klarer Standards im Bereich Open Finance erstreckt sich über verschiedene Aspekte, darunter Interoperabilität, Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit, Innovationsförderung und regulatorische Einhaltung. In diesem Kontext spielen regulatorische Standards, die von staatlichen Institutionen festgelegt werden, sowie marktgetriebene Standards, die sich aus der Dynamik der Marktteilnehmer ergeben, eine zentrale Rolle.

Das Beispiel Schweiz zeigt die aktuellen Herausforderungen und Chancen des marktgetriebenen Ansatzes auf: Das Fehlen spezifischer regulatorischer Vorgaben schafft Raum für Innovation, aber bringt auch Unsicherheiten bezüglich Interoperabilität und Sicherheit mit sich. Die vorgestellten Initiativen der Schweizerischen Bankiervereinigung, der SIX Group und des Verbands SFTI zeigen, dass trotz des Mangels an gesetzlichen Vorgaben Bestrebungen zur Standardisierung existieren. Jedoch wird die Bedeutung einer zentralen Instanz für die Governance und Entwicklung von Standards deutlich, die erforderlich ist, um einen effizienten und einheitlichen Ansatz sicherzustellen.

Der Vergleich mit der Berlin Group im PSD2-regulierten EU-Raum verdeutlicht, dass auch in regulierten Märkten Initiativen zur Standardisierung existieren, um die Interoperabilität im Zahlungsverkehr über das gesetzliche Maß hinaus zu fördern.
Für FinTechs wie Qwist bedeutet diese heterogene Situation, dass ein hohes Maß an Flexibilität bei der Lösungsentwicklung erforderlich ist, um sich adäquat an die Herausforderungen und Besonderheiten der unterschiedlichen Märkte anzupassen. Die Expertise, die Qwist als EU-weit agierendes Unternehmen in den regulierten Märkten angeeignet hat, kommt schlussendlich immer auch den Kunden aus den nicht regulierten Ländern entgegen.

Letztendlich muss die Balance zwischen regulatorischen und marktgetriebenen Standards sorgfältig abgewogen werden. Während regulatorische Standards Stabilität und Verbraucherschutz bieten, ermöglichen marktgetriebene Standards Flexibilität und Innovation. Die Zukunft von Open Finance wird stark von der erfolgreichen Integration und Koexistenz dieser beiden Ansätze abhängen.

Interessieren Sie sich für die Grundlagen von Open Finance und die Rolle von Standards? Lesen Sie Teil 1 unserer Serie.
Lesen Sie Teil 1

Person multitasking with a laptop and smartphone, reading online content.

Newsletter subscription

Stay up to date with all Open Finance news
Subscribe to the free newsletter now

Person multitasking with a laptop and smartphone, reading online content.

Newsletter-Anmeldung

Bleiben Sie up-to-date bei allen News rund um Open Finance
Jetzt zum kostenlosen Newsletter anmelden

Person multitasking with a laptop and smartphone, reading online content.

Inscripción al boletín

Manténgase al día con todas las noticias sobre Open Finance
Regístrese ahora al boletín gratuito

Aktuelles von Qwist

Curious to find out more?

Here you will find more information on our ndgit Open Banking Suite

Neugierig geworden?

Hier finden Sie mehr Informationen über unsere ndgit Open Banking Suite

¿Te ha despertado la curiosidad?

Aquí encontrará más información sobre nuestra ndgit Open Banking Suite