Die Zahlungsdienstleistungsbranche steht vor einem bedeutenden Wandel mit der bevorstehenden Einführung der Payment Services Directive 3 (PSD3). Als Nachfolger der PSD2 wird die PSD3 die Harmonisierung der Zahlungsdienstleistungen innerhalb der EU weiter vorantreiben und neue Herausforderungen sowie Chancen für Banken und Finanzinstitute mit sich bringen.
Die wichtigsten Neuerungen der PSD3 im kurzen Überblick
- Stärkere Betrugsbekämpfung: Die PSD3 verschärft die Anforderungen an die Starke Kundenauthentifizierung (SCA) und führt eine Pflicht zur IBAN-Namensprüfung bei Überweisungen ein.
- Für Zahlungs- und E-Geld-Institutionen wurde ein einheitlicher rechtlicher Rahmen geschaffen. Diese Vereinfachung wird die Regulierung und Überwachung erleichtern.
- Verbesserung des Open Banking: Die Payment Services Regulation (PSR) als Teil der PSD3 wird den Zugang für Drittanbieter erleichtern und API-Standards vereinheitlichen.
- Erweiterte Verbraucherrechte: Kunden erhalten klarere Informationen über Gebühren und bessere Lösungen bei blockierten Geldern.
Vorbereitungen für den Übergang
Die PSD3, die voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2026 in Kraft tritt, ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Daran waren und sind mehrere wichtige Gremien beteiligt: Die Europäische Kommission legte im Juni 2023 die Vorschläge für die PSD3 und die PSR vor. Der European Payments Council (EPC), in dem europäische Banken zusammengeschlossen sind, spielt ebenfalls eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der neuen Direktive. Weitere wichtige Protagonisten sind Normungsgremien wie die Berlin Group, STET und PolishAPI , die die Spezifikationen für relevante APIs entwickeln. Auf nationaler Ebene koordiniert das Deutsche SEPA-Komitee, bestehend aus Vertretern der Deutschen Kreditwirtschaft und der Deutschen Bundesbank, die Umsetzung des Europäischen Zahlungsraums, während die Europäische Zentralbank (EZB) ebenfalls an der Gestaltung des europäischen Zahlungsraums beteiligt ist.
Banken und Finanzinstitute können sich also nicht darauf berufen, von der neuen Regulierung quasi überrascht worden zu sein. Daraus ergibt sich aber die Verantwortung, zeitnah die erforderlichen Anpassungen und Änderungen in die Wege zu leiten.
Technologische Anpassungen für den Wechsel von PSD2 zu PSD3
Überprüfen und aktualisieren Sie Ihre IT-Systeme, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, insbesondere im Bereich der Starken Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentication, SCO) und der IBAN-Namensprüfung.
Checkliste der technologischen Anpassungen:
- Digitale Geldbörse: Mögliche Integration einer digitalen Geldbörse für Verbraucher nach dem Vorbild der schwedischen BankID.
- Verbesserte Sicherheitsmaßnahmen: Implementierung fortschrittlicher Authentifizierungstechnologien, die über die bestehende Starke Kundenauthentifizierung (SCA) hinausgehen. Dies könnte biometrische Authentifizierung oder die Verwendung von Tokens umfassen.
- IBAN-Namensprüfung: Einführung einer automatisierten Plausibilitätsprüfung zwischen IBAN und Kontoinhaber, auch bekannt als “Payment Account Verification” (PAV). Diese Prüfung muss in den Zahlungsprozess integriert werden.
- API-Standardisierung: Anpassung der API-Infrastruktur an neue, harmonisierte Standards für verbesserten Datenaustausch mit Drittanbietern.
- Echtzeitverarbeitung: Optimierung der Systeme für schnellere Verarbeitung von Instant Payments, einschließlich der Verarbeitung der Antwort der Empfängerbank innerhalb von 10 Sekunden.
- Consent-Management-System: Entwicklung eines “Erlaubnis-Dashboards”, das Kunden die Kontrolle über die Weitergabe ihrer Daten an Drittanbieter ermöglicht.
- Betrugserkennung und -prävention: Implementierung fortschrittlicher Systeme zur Erkennung und Verhinderung von Betrug.
Entwicklung einer Open-Banking-Strategie
PSD3 und PSR verfolgen gemeinsam das Ziel, das Open Banking im EU-Finanzraum zu verbessern, den Zugang für Drittanbieter zu erleichtern und API-Standards zu vereinheitlichen. Banken sollten jetzt eine Strategie entwickeln, um von diesen verbesserten Open-Banking-Möglichkeiten zu profitieren und Ihre APIs entsprechend anzupassen.
Checkliste für eine Open Banking Strategie:
- API-Optimierung und Standardisierung:
- Anpassung der API-Infrastruktur an neue, harmonisierte Standards für verbesserten Datenaustausch mit Drittanbietern
- Sicherstellung der API-Verfügbarkeit für Drittanbieter mit gleichen Service-Level-Agreements (SLAs) und Entwicklungskompetenzen wie für interne Systeme
- Datenmanagement und Sicherheit
- Implementierung eines “Erlaubnis-Dashboards” für Kunden zur Kontrolle ihrer Datenweitergabe an Drittanbieter
- Einhaltung des Prinzips der Datenminimierung gemäß DSGVO bei der Verarbeitung personenbezogener Kundendaten
- Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen und Betrugsbekämpfung
- Innovationsförderung und Partnerschaften
- Entwicklung innovativer Finanzprodukte und Dienstleistungen basierend auf erweiterten Datenzugriffsrechten
- Aufbau strategischer Partnerschaften mit FinTechs und anderen Drittanbietern zur Schaffung eines dynamischen Ökosystems
- Kundenzentrierter Ansatz
- Fokussierung auf nahtlose und personalisierte Kundenerlebnisse
- Anpassung der Dienstleistungen an lokale Präferenzen und Bedürfnisse
- Regulatorische Compliance
- Vorbereitung auf erweiterte Verbraucherrechte und Transparenzanforderungen
- Implementierung klarer Haftungsregelungen und Streitbeilegungsmechanismen
- Transformation des Geschäftsmodells
- Überprüfung und Anpassung des Geschäftsmodells an die neuen Möglichkeiten und Herausforderungen von Open Banking
- Positionierung als moderner Serviceanbieter, der über reine Finanzdienstleistungen hinausgeht
Mitarbeiterschulungen
Nicht vergessen werden darf der Faktor Mensch: Banken und Finanzinstitutionen sollten sicherstellen, dass Ihre Mitarbeiter mit den neuen Regelungen vertraut sind und diese korrekt umsetzen können.
Checkliste Mitarbeiterschulung:
- Entwicklung von Schulungsprogrammen, um die neuen regulatorischen Anforderungen an die Mitarbeiter zu vermitteln.
- Fokus auf regulatorische Änderungen: Die Schulungen sollten sich auf die Neuerungen der PSD3, PSR und IPR konzentrieren, einschließlich verschärfter Sicherheitsanforderungen und erweiterter Verbraucherrechte.
- Praxisorientierte Ansätze: Es empfiehlt sich, praxisnahe Fallstudien und Beispiele in die Schulungen einzubauen, um die Anwendung der neuen Vorschriften im Arbeitsalltag zu verdeutlichen.
- Regelmäßige Updates: Angesichts der sich ständig ändernden Regulierungslandschaft sollten die Schulungen regelmäßig aktualisiert und wiederholt werden.
- Abteilungsübergreifende Schulungen: Es ist wichtig, Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen (z.B. IT, Compliance, Kundenservice) zu schulen, um ein ganzheitliches Verständnis der neuen Vorschriften zu gewährleisten.
- Fokus auf Kundenaufklärung: Die Schulungen sollten auch darauf abzielen, Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, Kunden über die neuen Rechte und Sicherheitsmaßnahmen aufzuklären
Chancen nutzen
Die PSD3 bietet Banken und Finanzinstituten die Möglichkeit, ihre Dienstleistungen zu verbessern und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Nutzen Sie die Gelegenheit, um:
- Innovative Zahlungslösungen zu entwickeln
- Partnerschaften mit Fintechs und anderen Drittanbietern zu stärken
- Das Vertrauen der Kunden durch verbesserte Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen
Fazit
Der Übergang von PSD2 zu PSD3 stellt die Finanzwelt vor neue Herausforderungen, bietet aber auch Chancen für Wachstum und Innovation. Denn die neue PSD3-Richtlinie eröffnet Banken und Finanzinstituten vielfältige Möglichkeiten für neue Einnahmequellen, indem sie den Zugang zu Kundendaten verbessert und die Entwicklung innovativer Finanzprodukte sowie personalisierter Dienstleistungen ermöglicht. Durch die Nutzung von Open Banking und Open Finance können Finanzinstitute demnach nicht nur neue Geschäftsmodelle entwickeln und Mehrwertdienste anbieten, sondern auch ihre Effizienz steigern und Kosten senken, was insgesamt zu einer Erweiterung ihres Kundenstamms und einer Stärkung ihrer Wettbewerbsposition führt.
Bleiben Sie informiert über die neuesten Entwicklungen und arbeiten Sie eng mit Regulierungsbehörden und Technologiepartnern zusammen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Mit der richtigen Vorbereitung können Sie die PSD3 als Katalysator für positive Veränderungen in Ihrem Unternehmen nutzen.
PSD3, PSR & IPR Compliance – mit unser PS-Star Lösung zukunftssicher aufgestellt!
Mehr über die PS-Star Lösung von Qwist erfahren.




