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Standards in Open Finance: Über die Vor- und Nachteile von festgelegten Regeln und dynamischer Innovation

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
22.01.2025

Finanzstandards im Wandel und die Gratwanderung zwischen staatlicher Regelung und dynamischer Marktentwicklung

Erster Teil: Die Daseinsberechtigung von Standards in der Welt von Open Banking und Open Finance

In der modernen Finanzwelt, die von einem raschen technologischen Fortschritt, globaler Vernetzung in Form von Open Banking und Open Finance sowie einem ständigen Streben nach Effizienz geprägt ist, schaffen Standards über Ländergrenzen hinweg eine gemeinsame Grundlage für Fortschritt und Zusammenarbeit und sind somit nicht nur ein Instrument zur Vereinfachung, sondern auch eine fundamentale Säule für die Bewältigung der Herausforderungen und zur Gestaltung der Zukunft.

Insbesondere im aufstrebenden Bereich von Open Finance bilden Standards nicht nur die Grundlage für reibungslose Interaktionen, sondern sie fördern auch Innovationen und legen den Grundstein für eine solide Basis für die Zukunft der Finanzbranche. Eine Schlüsselrolle spielen hierbei Standards, die die Implementierung von Schnittstellen für Open Finance betreffen. Die wichtigsten Gründe sind:

  • Interoperabilität: Standards stellen sicher, dass verschiedene Finanzsysteme miteinander kompatibel sind. Dadurch können unterschiedliche Anwendungen und Plattformen nahtlos miteinander kommunizieren und Daten austauschen, unabhängig von den spezifischen Implementierungen.
  • Sicherheit: Durch die Verwendung von Standards können einheitliche Sicherheitsprotokolle implementiert werden. Dies ist entscheidend, um hochsensible Finanzdaten vor unbefugtem Zugriff zu schützen und zugleich die Integrität der übertragenen Informationen zu gewährleisten.
  • Benutzerfreundlichkeit: Standards erleichtern die Entwicklung von einheitlichen und benutzerfreundlichen Schnittstellen. Dies ermöglicht es Endbenutzern, Finanzdienstleistungen effizienter zu nutzen, da sie nicht mit unterschiedlichen Formaten und Protokollen hantieren müssen.
  • Innovationsförderung: Einheitliche Standards schaffen eine stabilere Grundlage für Innovationen. Entwickler können auf bewährten Protokollen aufbauen, ohne bei jeder Integration von vorne anfangen zu müssen. Dies beschleunigt die Einführung neuer Technologien und Dienstleistungen im Finanzsektor.
  • Regulatorische Einhaltung: Standards helfen bei der Einhaltung regulatorischer Anforderungen, die im Finanzsektor besonders streng sind. Durch die Implementierung von Standards können Finanzinstitute sicherstellen, dass ihre Systeme den geltenden Vorschriften entsprechen.

Insgesamt tragen Standards also dazu bei, die Effizienz, Sicherheit und Innovationsfähigkeit im Bereich Open Finance zu verbessern, indem sie eine gemeinsame Basis für die Entwicklung und Implementierung von Schnittstellen schaffen.

Dabei stehen zwei Ansätze im Vordergrund: Einmal regulatorische Open-Banking-Standards, die von staatlichen Institutionen, wie beispielsweise im Fall der PSD die EU-Kommission, festgelegt werden, und auf der anderen Seite marktgetriebene Standards, die durch die Dynamik der Marktteilnehmer entstehen. Letzteres trifft beispielsweise auf die Schweiz zu, da es hier keine regulatorischen Vorgaben wie die EU-weit gültige PSD2 gibt. Die Debatte darüber, welcher Ansatz überlegen ist, bleibt kontrovers.

Momentaufnahme von Konsentus

Beginnen wir mit einem Blick auf die aktuelle Situation der weltweiten Open-Banking-Initiativen. Konsentus, ein britischer Anbieter von Software für Open-Banking- und Open-Finance-Anwendungen, hat auf einer Karte die Verteilung von gesetzlich vorgeschriebenen Initiativen gegenüber dem marktgetriebenen Ansatz dargestellt: Demnach gehen 64 Prozent aller Open-Banking-Initiativen auf gesetzliche Bestimmungen zurück. Lediglich vier der untersuchten Märkte, nämlich die USA, Kanada, China und die Schweiz, verfolgen bei diesem Thema einen rein marktgetriebenen Ansatz und 26 Prozent der Initiativen verfügen zwar über keinerlei gesetzliche Vorgaben aber haben dennoch eine starke regulatorische Unterstützung und einen zentralisierten Programmansatz . Aktuell ist also ein deutliches Übergewicht der durch gesetzliche Vorgaben entstandenen Standards im Bereich Open Banking zu beobachten.

Die Sicht eines Finanzdienstleisters

Qwist, einer der  führenden Technologie- und Lösungsanbieter für Open Finance, betrachtet die Entwicklung von Standards im Bereich Open Finance als essentiell für die Zukunft der Finanzbranche, da sie Interoperabilität, Sicherheit und Innovation fördern. Standards schaffen eine stabile Grundlage für die Entwicklung neuer Technologien und ermöglichen es Qwist, umfassende Lösungen für das Open-Finance-Ökosystem bereitzustellen. Besonders wichtig ist dabei die Gewährleistung von Sicherheit und Vertrauen, indem einheitliche Sicherheitsprotokolle implementiert werden, sowie die Unterstützung regulatorischer Compliance, etwa bei PSD2/PSD3 oder FIDA. Daher schätzt  Qwist sowohl die Klarheit regulatorischer Standards als auch die Flexibilität marktgetriebener Ansätze und entwickelt Lösungen, die beide Modelle unterstützen.

Im zweiten Teil unserer Überlegungen zu den Standards in der Finanzwelt werden wir die Vor-und Nachteile der unterschiedlichen Konzepte beleuchten und ziehen ein abschließendes Fazit.

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