Die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau gibt es auch im Open Banking nicht. Unternehmen arbeiten daher mit Drittanbietern, Technologiepartnern und externen Dienstleistern zusammen, um digitale Finanzservices schnell und effizient umzusetzen.
Diese Zusammenarbeit bringt jedoch Risiken mit sich – etwa in Bezug auf Regulierung, Sicherheit oder die Stabilität angebundener Systeme. Third-Party Risk Management (TPRM) hilft dabei, diese Risiken frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und kontrolliert zu steuern.
Third-Party Risk Management – eine Definition
Third-Party Risk Management im Open-Banking-Umfeld beschreibt den strukturierten Prozess zur Identifikation, Bewertung, Überwachung und Steuerung von Risiken, die aus der Zusammenarbeit mit Drittanbietern wie TPPs, API-Partnern oder technischen Dienstleistern entstehen. Im Fokus stehen insbesondere regulatorische Anforderungen (z. B. PSD2/PSR), Informationssicherheit, Datenschutz, API-Verfügbarkeit sowie die operative und finanzielle Stabilität angebundener Parteien. Ein wirksames TPRM ermöglicht es Finanzinstituten und Open-Banking-Plattformen, Drittanbieter über den gesamten Lebenszyklus hinweg transparent zu steuern, regulatorische Konformität sicherzustellen und vertrauenswürdige, skalierbare Ökosysteme aufzubauen.
Warum Third-Party Risk Management wichtig ist
Third-Party Risk Management spielt im Open Banking eine zentrale Rolle, da moderne Finanzservices zunehmend auf der Zusammenarbeit mit externen Partnern basieren. Drittanbieter ermöglichen Innovation, Skalierbarkeit und schnellere Markteinführung, erweitern jedoch gleichzeitig die Angriffs- und Risikofläche von Unternehmen. Regulatorische Anforderungen, Sicherheitsstandards und Datenschutzvorgaben gelten auch dann, wenn kritische Prozesse ausgelagert werden. Unternehmen bleiben somit für die Einhaltung von Compliance und den Schutz von Kundendaten verantwortlich. Ohne ein strukturiertes Third-Party Risk Management lassen sich Risiken entlang komplexer Partnernetzwerke nur schwer transparent und kontrollierbar steuern. TPRM schafft die notwendige Grundlage für Vertrauen, Stabilität und nachhaltiges Wachstum im Open-Banking-Ökosystem.
Was zählt als „Third Party“ im Open Banking?
Im Open-Banking-Kontext umfasst der Begriff „Third Party“ eine Vielzahl externer Akteure, die an der Bereitstellung digitaler Finanzservices beteiligt sind. Dazu zählen insbesondere Third Party Providers (TPPs) wie Payment Initiation Service Provider (PISPs) oder Account Information Service Provider (AISPs). Auch API-Partner, Technologieanbieter, Cloud- und Infrastrukturdienstleister sowie spezialisierte Compliance- oder Identitätslösungen gelten als Drittparteien. Entscheidend ist dabei weniger die Art des Unternehmens als der Zugriff auf Systeme, Daten oder kritische Prozesse. Selbst indirekte Dienstleister können relevante Risiken darstellen, wenn sie Teil der Wertschöpfungskette sind. Eine klare Definition und Abgrenzung von Drittparteien ist daher die Grundlage für ein wirksames Third-Party Risk Management.
Typische Risiken bei Drittanbietern
Die Zusammenarbeit mit Drittanbietern im Open-Banking-Umfeld ist mit unterschiedlichen Risikoarten verbunden. Zu den zentralen Risiken zählen regulatorische und Compliance-Risiken, etwa durch die Nichteinhaltung von Vorgaben wie PSD2 oder PSR. Hinzu kommen IT- und Cybersicherheitsrisiken, insbesondere bei API-Zugriffen und der Verarbeitung sensibler Finanzdaten. Datenschutzrisiken entstehen, wenn personenbezogene Daten nicht ausreichend geschützt oder unkontrolliert weitergegeben werden. Darüber hinaus können operative Risiken auftreten, beispielsweise durch Ausfälle externer Systeme oder unzureichende Servicequalität. Auch finanzielle und strategische Risiken spielen eine Rolle, etwa wenn Drittanbieter wirtschaftlich instabil sind oder zu starken Abhängigkeiten führen.
Der TPRM-Lebenszyklus
Third-Party Risk Management ist kein einmaliger Prozess, sondern begleitet die gesamte Dauer einer Geschäftsbeziehung. Er beginnt mit der Identifikation potenzieller Drittanbieter und einer strukturierten Risikoanalyse im Rahmen der Due Diligence. Auf dieser Basis werden Drittparteien bewertet, klassifiziert und geeignete Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen definiert. Während der laufenden Zusammenarbeit ist eine kontinuierliche Überwachung notwendig, um Veränderungen im Risikoprofil frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören regelmäßige Reviews, Monitoring von Leistungskennzahlen sowie die Überprüfung regulatorischer und technischer Anforderungen. Der Lebenszyklus endet mit einem kontrollierten Offboarding, das sicherstellt, dass Zugriffe beendet und Daten ordnungsgemäß behandelt werden.
Fazit: TPRM als Erfolgsfaktor im Open Banking
Third-Party Risk Management ist ein zentraler Erfolgsfaktor für sichere und skalierbare Open-Banking-Ökosysteme. Es verbindet Innovation mit regulatorischer Kontrolle und ermöglicht die verantwortungsvolle Zusammenarbeit mit Drittanbietern. Durch transparente Prozesse und kontinuierliche Überwachung lassen sich Risiken frühzeitig erkennen und gezielt steuern. Gleichzeitig stärkt ein wirksames TPRM das Vertrauen von Kunden, Partnern und Aufsichtsbehörden und unterstützt nachhaltiges Wachstum digitaler Finanzservices.




